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Im Jahre 1800 hatten Selben und Zschepen folgende amtliche Grundstücke: Selben: 35 Häuser ( Grundstücke) mit 240 Einwohnern, also 5 Grundstücke mehr als im Jahre 1300 und eine Schule. Zschepen: 19 Häuser ( Grundstücke) mit 120 Einwohnern Im Jahr 1812 waren die Dörfer südlich von Delitzsch während der Völkerschlacht bei Leipzig, im Oktober Aufmarschgebiet des Blücherschen Armeecorps. Damals gehörte unser Kreis zu Sachsen, welches auf Seiten Napoleons kämpfte. Nach der Völkerschlacht kam unser Gebiet kurzzeitig unter russische Verwaltung und nach dem Wiener Kongress 1815 zu Preußen. Durch die Steinschen Reformen „ persönliche Freiheit bei bleibenden Lasten" wird das Lehensystem beendet. Die Bauern können sich freikaufen.

Wer kein Geld besitzt, muss 50 Jahre lang jährliche Raten an das Rittergut zahlen. Das führt zum Ruin vieler Bauern. In Zschepen gibt der Bauer Beyer ( heute Grundstück Scheithauer ) seinen Besitz auf. Die Bruchsteine aus dem Abriss kauft die Stadt Delitzsch. In Zschepen erwerben um 1820 die Familien Sperling und Meißner Bauerngrundstücke vom Rittergut. Das Gasthaus Selben an der heutigen Langen Straße wurde um 1820 gebaut. Im Jahre 1835 übergab Johann Christian Wolf sein Gut an seine Tochter. Hierüber wurde vor dem Patrionalgericht Zschepen, das unter dem Vorsitz eines Delitzscher Richters tagte, ein Vertrag geschlossen. Dieser Vertrag enthält auch eine Bestimmung zu Sicherung des Lebensabends der Bauern. Neben dem Geld, das an Geschwister als Erbteil gezahlt werden muss, mussten folgende Dinge jährlich an die Eltern geliefert werden:

- 12 Scheffel Roggen 1 Scheffel Weizen 2 Scheffel Gerste (u.a. zum Brennen von Kaffee-Ersatz) '/4 Scheffel Erbsen 4 Scheffel Erdbirnen (Kartoffeln) 2 Scheffel Möhren 1 Schock (60 St.) Krauthäupter 1 Schock Kohlrüben Je 2 Schock Käse und Eier 1 Quart. Leinöl und Berliner Metzen Salz 1/2 Schwein 1 Klafter gutes Kiefernholz 6/4 lang 500 Torfsteine (ab 1860) Knorpelkohle) Alles frei Haus 1 Mandel Langstroh zu 18 Pfund (vermutlich für die Betten) 'A Stein guten Flachs (zum Spinnen und Weben) 1/4 der Obsternte vom Garten u. ein Stück Gartenland für Gemüse

Dazu 5 Taler zu Weihnachten. In den Jahren 1840 und 1850 wurden im Zuge der Separation landwirtschaftliche Flächen zusammengelegt, teilweise ausgetauscht und die Flurgrenzen begradigt. Es wurde auch festgelegt, dass jeweils 24 Bauern einen Schäfer beschäftigen. In die Instandhaltung der Wege und Gräben war wie folgt geregelt: Für die gesamte Fläche der Gemeinde wurden 1000 Anteile festgelegt. Entsprechend des Feldbesitzes wurde die Anzahl der Anteile und somit die Länge des zu pflegenden Grabens für die Grundstückbesitzer errechnet. Die Gräben mussten 2 Mal jährlich geräumt und die Wege im Frühjahr ausgebessert werden. Jahre 1853 brannte das Gehöft des Bauern Reiche in Selben vollständig nieder. Außer ein paar geretteten Hotten und den Kleidern, die die Familie am Leibe hatte, blieb nichts. Durch Funkenflug verbrannten auch noch bei weileren Selbenem Ställe, das Winterholz, Handwerkszeug und Kleidung. Um 1860 gab dieser Bauer, die größte Besitzung in der Großen Dorfstraße, seinen Besitz auf. Er konnte die heidichen Raten für die auf seinem Hof liegende Hypothek nicht mehr aufbringen. Die Felder fielen an das Rittergut. Infolge des Ruins mehrerer Bauern entstand Armut im Dorf. Davon betroffen waren meist alte Leute, die keine Kinder hatten und von der Gemeinde versorgt werden mussten. So gab es in beiden Orten Armen - bzw. Gemeindehäuser. In diesen wohnte auch der Nachtwächter. Das Selbener Armenhaus stand am Strengebach, am lIrsjinn der großen Dorfstraße. 1835 wurde in Zschepen der Leineweber Gottlieb Meißner als Dorfschulze genannt ( später der Bauer Frenzel ).

Die ???schulzen wurden ernannt und waren ehrenamtlich tätig. Meist waren es Bauern. Die Beschäftigten des Rittergutes gehörten bis 1914 nicht zur Gemeinde sondern zum Gutsbezirk. So war der Bauer Karl Canitz von 1880 Iss 1914 Dorfschulze und gleichzeitig Gutsbezirksvorsteher. In Selben waren zu dieser Zeit die Bauern Heßler und Schmidt Dorfschulzen. 1859 wurde die Bahnlinie Leipzig - Bitterfeld in Betrieb genommen. (vorangegangen war der Abriss der Zschepener Wassermühle). Damit begann besonders in Selben die Wandlung vom Bauern- zum Arbeiterdorf. Ab 1860 wurden in der Großen und Kleinen Dorfstraße mehrere Häuser gebaut. Deren Bewohner arbeiteten bei der Bahn, der Post und in Leipzig. Aus dieser Zeit sind vor allem die Familien Gradehand und Wagner bekannt. Im Jahre 1872 wurde die Eisenbahnstrecke Halle-Deliltsch-Ellenburg in Betrieb genommen. Ihis Ende des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet ihirch den Aufbau und die Inbetriebnahme vieler Industriebetriebe. So wurden in Delitzsch 1885 die Walzenmühle, 1886 eine Dampfmolkerei, 1889 die hickerfabrik und 1890 die Schokoladenfabrik in Betrieb genommen. Ihn 1901 gegründete Delitzscher Rübensamenzucht versorgte die Bauern mit dem nötigen knetgut für den Zuckerrübenanbau. Die Fa. ???nybory war da schon fast 100 Jahre alt. Sie produzierte damals schon Pflanzenschutz- und ???bekämpfungsmittel. Zu dieser Zeit wurden viele Straßen gepflastert. So die Straße von Selben bis Delitzsch. Interessiert daran sind vor allem die Rittergüter und die Bauern, welche feste Straßen für den Transport der Zuckerrüben und anderer Feldfrüchte brauchten. Die Ortsvorsteher, die Bauern Heßler und Schmidt nutzten ihre Amtszeit als Dorfschulzen, um die Große und Kleine Dorfstraße jeweils bis zu ihrem Grundstück pflastern zu lassen.Mit dem verstärkten Anbau von Zuckerrüben begann eine harte Zeit für die Landarbeiter. Wochenlang sind im Mai und Juni die Kinder für geringes Entgelt beim Rübenverziehen tätig. Im Herbst mussten vor allem die Frauen bei der Rübenernte, oft bei Regen und Schnee, Schwerstarbeit leisten.

Der Pächter des Zschepener Rittergutes, Pfaff, baute 1895 eine Brennerei. Hier wurde aus Kartoffeln Alkohol gebrannt. Lt. Vertrag durften jährlich 24.000 Liter Alkohol gebrannt werden. Der Gehilfe des Brennmeisters war wegen seiner ständigen Trunkenheit ein ortsbekanntes Original. Die in diesem Jahrhundert insgesamt primitiven Lebensverhältnisse der Bevölkerung begünstigten den Ausbruch gefährlicher Krankheiten wie Pocken, Tuberkulose Scharlach und Diphterie. Die Kirchenbücher unserer Gemeinden zeugen von einer besonders hohen Kindersterblichkeit. Mit der Inbetriebnahme der Bahnstrecken und den Ausbau der Straßen kann Material angeliefert werden, welches die Bauweise der Häuser grundlegend verändert. Es verschwanden nach und nach die bis dahin vorherrschenden Strohdächer. Sie werden durch Ziegeldächer ersetzt. Im Oktober 1920 brannte die große, strohgedeckte Scheune der Hofmeisterei die entlang der heutigen Langen Straße stand. In dieser Scheune waren Getreide, Stroh und verschiedene landwirtschaftliche Geräte gelagert. Die Bewohner der Hofmeisterei mussten zeitweilig ihre Wohnungen verlassen. Als Brandursache wurde Funkenflug angenommen. (100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Selben)

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